NSDAP und SA in Berlin-Köpenick

Nachdem die Mordopfer der „Köpenicker Blutwoche“ in der Dahme versenkt worden waren, inszenierte die SA am 26. Juni 1933 mit Gauleiter Joseph Goebbels an der Spitze ein Staatsbegräbnis für die drei erschossenen SA-Männer in Berlin-Köpenick. Ihr Tod diente der propagandistischen Rechtfertigung des Terror- und Mordfeldzugs der Köpenicker SA im Juni 1933. Links neben Goebbels marschiert der SA-Sturmbannführer Herbert Gehrke. Landesarchiv Berlin

Die Sturmabteilung (SA) war neben der Schutzstaffel (SS) die größte paramilitärische Gliederung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und stellte eine wichtige Stütze der NS-Bewegung dar. Ohne ihre Gewalt und ständige Präsenz wäre der Erfolg der Nationalsozialisten undenkbar gewesen. Zum Ende der Weimarer Republik rang sie den zahlenmäßig starken, aber politisch einflussarmen Wehrverbänden immer mehr Mitglieder ab. Mit den reichsweiten Wahlerfolgen der NSDAP wuchs auch die SA unaufhaltsam.

Die nationalsozialistische Anhängerschaft wuchs auch in Köpenick: Traten der NSDAP 1926 gerade 36 Personen bei, von denen 22 gleichzeitig Mitglieder der SA wurden, ist Anfang 1933 von etwa 300 NSDAP-Mitgliedern die Rede. Bei den Reichstagswahlen am 6. November 1932 erreichte die NSDAP in Köpenick 29,5 Prozent und wurde hier wie im ganzen Reich stärkste Kraft, wenngleich ihr Stimmenanteil in Köpenick unter dem Reichsdurchschnitt lag. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) lag in Köpenick mit 29,3 Prozent nur knapp hinter der NSDAP. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) konnte 22,5 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen. Nach der Machtübernahme wurden Stadt- und Bezirksversammlungen aufgelöst und Neuwahlen für den 12. März angesetzt, bei denen die NSDAP im Bezirk Köpenick 42,4 Prozent der Stimmen bekam und zusammen mit der Liste Schwarz-Weiß-Rot der DNVP, die 13,1 Prozent erreichte, über die absolute Mehrheit in der Bezirksversammlung verfügte. Im August 1933 gehörten allein mehr als 1.330 Männer der Köpenicker SA-Standarte 15 an.

Bereits in der Nacht des „Reichstagsbrandes“ vom 27. auf den 28. Februar 1933 unternahm die SA in Köpenick Hausdurchsuchungen und nahm politische Gegner fest. Im Zuge der Reichstagswahlen vom 5. März 1933 kam es in Köpenick zu weiteren Hausdurchsuchungen, Festnahmen und Misshandlungen. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde der Fall der SPD-Politikerin Maria Jankowski, die von SA-Männern brutal misshandelt wurde. Als am 1. April reichsweit jüdische Geschäfte und Einrichtungen boykottiert wurden, verhafteten SA-Männer auch in Köpenick Jüdinnen und Juden auf offener Straße.

Eine zentrale Figur des SA-Terrors in Köpenick war der am 6. Dezember 1910 in Berlin geborene SA-Führer Herbert Gehrke. Nachdem er 1930 SA-Sturmführer geworden war, avancierte er zum Führer des später selbständigen SA-Sturmbanns 15 und damit der gesamten SA in Köpenick. „In Anerkennung seiner Verdienste um die Durchführung der nationalen Revolution“, gemeint sind die uns heute als „Köpenicker Blutwoche“ bekannten Massenverhaftungen im Juni 1933, ernannte ihn der SA-Gruppenführer von Berlin, Karl Ernst, mit Wirkung vom 1. Juli 1933 zum SA-Obersturmbannführer. Schließlich wurde er am 4. April 1934 zum SA-Standartenführer befördert. Der selbständige SA-Sturmbann 15 war noch am 6. August 1933 zur Standarte erhoben worden und gehörte zum Führungsstab der SA-Brigade 28 (Berlin-Süd). Während des Zweiten Weltkrieges diente Gehrke in der Wehrmacht und brachte es bis zum Oberleutnant. Er verstarb am 18. März 1945 in Dirmingen/Saar.

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