Opfer der „Köpenicker Blutwoche“

Zwischen dem 21. und 26. Juni 1933 verschleppte und misshandelte die Berliner und Köpenicker SA mehrere Hundert Personen, mindestens 23 von ihnen starben. Das Köpenicker Amtsgerichtsgefängnis diente als Koordinationsstelle der Verhaftungen und als Folterstätte.

Zu den Opfern gehörten u.a.:

Johannes Stelling (*12. Mai 1877, † 22. Juni 1933)

Johannes Stelling, Datum unbekannt, Landesarchiv Berlin

Der Reichstagsabgeordnete Johannes Stelling (SPD) war von 1921 bis 1924 Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin. Am Abend des 21. Juni 1933 wurde er von einem SA-Trupp verhaftet und in das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis Köpenick verschleppt. Stelling wurde so grausam gefoltert, dass die SA-Männer ihn bereits für tot hielten und in einen Leinensack einschnürten. Als sie bemerkten, dass er noch lebte, erschossen sie Stelling und warfen ihn in die Dahme. Nach 1945 wurden mehrere Straßen in Berlin, Schwerin, Lübeck und Greifswald nach Stelling benannt. Eine Gedenktafel vor dem Bundestag/ehemaligen Reichstagsgebäude erinnert an den sozialdemokratischen Abgeordneten.

Georg Eppenstein (*7. Dezember 1867, †3. August 1933)

Georg Eppenstein mit seiner Tochter Elisabeth-Charlotte, um 1920, Privatbesitz

Ein weiteres Todesopfer war der konfessionslose Unternehmer Georg Eppenstein, der einer jüdischen Familie aus Berlin-Nikolassee entstammte. Der promovierte Chemiker war Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma Ruilos Knoblauch-Verwertungs-G.m.b.H. Eppenstein wurde am 21. Juni 1933 von SA-Männern verhaftet, im Sturmlokal „Demuth“ schwer misshandelt und später in das Amtsgerichtsgefängnis überführt. Seine Frau Marta konnte die Freilassung ihres Mannes erwirken: „Ich erschrak, als ich ihn sah. Er war nicht wieder zu erkennen. Die Brille war weg, die Augen, der Kopf zerschlagen, das Nasenbein zertrümmert.“ Eppenstein erlag am 3. August 1933 seinen Verletzungen. Seine Ermordung war eine der ersten antisemitisch motivierten Tötungen nach der Machtübernahme in Berlin.

Elisabeth-Charlotte Eppenstein (1910-1973) konnte als jüdischer „Mischling I. Grades“ ihr begonnenes Medizinstudium nicht beenden und arbeitete nach dem Tode ihres Vaters als stellvertretende Geschäftsführerin in der Firma Ruilos. Von Februar bis April 1944 wurde sie in die Wittenauer Heilanstalten eingewiesen. In den 1950er-Jahren kämpfte sie um ihre Anerkennung als politisch-rassisch Verfolgte (PrV).

Isot Kilian (*11. April 1924, †14. März 1986)

Die neunjährige Isot mit ihren Eltern Liddy und Götz Kilian, 18. Juni 1933, Privatbesitz
Die neunjährige Isot mit ihren Eltern Liddy und Götz Kilian, 18. Juni 1933, Privatbesitz

Isot Kilian war neun Jahre alt, als sie zusehen musste, wie ihr Vater Götz Kilian, ein bekannter Köpenicker Kommunist, im Juni 1933 durch die Straßen geprügelt wurde: „Ich sah meinen Vater, als ich aus der Schule kam, auf einem vollbesetzten Lastwagen klemmen zwischen lauter SA-Leuten. […] Ich heulte ununterbrochen, bis wir zuhause ankamen und noch weiter. Wie eine Sirene. Keiner konnte mich beruhigen.“ 1934 musste Isot Kilian Berlin verlassen. Nach 1945 wurde sie Schauspielerin am Berliner Ensemble, wo sie Bertolt Brecht und Helene Weigel kennenlernte. Götz Kilian verstarb 1940 an den Folgen der Misshandlungen während der „Köpenicker Blutwoche“.

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