SA-Terror als Herrschaftssicherung

Die „Köpenicker Blutwoche“ und öffentliche Gewalt im Nationalsozialismus

Einen Höhepunkt des SA-Terrors in Berlin stellte die „Köpenicker Blutwoche“ im Juni 1933 dar. Berliner SA-Einheiten und Hilfspolizisten verschleppten und folterten mehrere hundert Personen, mindestens 23 Menschen starben. Anlass für die gezielte Verhaftung politischer Gegner und Juden in Berlin-Köpenick bot das reichsweite Verbot des „Deutschnationalen Kampfrings“. Das Köpenicker Amtsgerichtsgefängnis, seit Mai 1933 Stabsquartier des SA-Sturmbanns 15, diente als Koordinationsstelle der gesamten Verhaftungsaktion. Zahlreiche Personen, die bereits in den SA-Sturmlokalen misshandelt worden waren, wurden anschließend hierher überstellt und ermordet. Unter den Toten befanden sich der ehemalige Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin und Reichstagsabgeordnete Johannes Stelling (SPD) und der Unternehmer Georg Eppenstein, eines der ersten jüdischen Todesopfer staatlichen NS-Terrors. Der Köpenicker SA-Führer Herbert Gehrke wurde „in Anerkennung seiner Verdienste um die Durchführung der nationalen Revolution“ mit Wirkung vom 1. Juli 1933 zum SA-Obersturmbannführer befördert. Der SA-Terror in Berlin fungierte als gezieltes Instrument zur nationalsozialistischen Herrschaftssicherung in der Reichshauptstadt. Die „Köpenicker Blutwoche“ besaß hierin eine überregionale Bedeutung.

2012 und 2013 fand ein Ausstellungs- und Forschungsprojekt des Bezirks Treptow-Köpenick von Berlin im Rahmen des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt. Berlin 1933 – 1938 – 1945“ statt. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören die Veröffentlichung eines Forschungsbandes im Metropol-Verlag Berlin, die Eröffnung einer neuen Dauerausstellung im Juni 2013, die Erschließung und Digitalisierung des Archivs der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche sowie die Einrichtung eines interaktiven Online-Auftritts. Darüber hinaus gestaltete das Projekt ein Modul in der Portalausstellung des Deutschen Historischen Museums (DHM) und eine Partnersäule am S-Bahnhof Köpenick.

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